Kuntuzangpo (Samantabhadra) ist nicht der „erste Buddha“ auf einer zeitlichen Achse, sondern die vollkommene Wirklichkeit jenseits aller zeitlichen Begrenzungen. Er verkörpert ye nas lhun grub – die ursprüngliche, spontan vollendete Natur, die niemals künstlich erschaffen, verändert oder getrübt wurde. Im Dzogchen ist Erleuchtung keine neu erworbene Errungenschaft, sondern das unmittelbare Wiedererkennen der von jeher reinen Natur des Geistes.
In der tantrischen Ikonographie wird Samantabhadra in tiefem, transparentem Himmelsblau dargestellt, völlig nackt und ohne jeglichen Schmuck – als Sinnbild des ungehinderten Dharmakaya, der frei ist von allen dualistischen Konzepten und störenden Anhaftungen. Oft verweilt er in unauflöslicher Vereinigung mit Kuntuzangmo, was die vollkommene Einheit von Leerheit und leuchtender Klarheit symbolisiert.
Das tiefgründige Wunschgebet des Samantabhadra (Kuntuzangpo Monlam) aus dem Gongpa Zangthal Tantra ist eines der heiligsten Gebete der Nyingma-Tradition. Es offenbart klar und präzise, wie Samsara und Nirvana aus einer einzigen gemeinsamen Grundlage entstehen und wie die Erkenntnis dieser Natur im selben Augenblick zur Befreiung führt.